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Olympia 2026

Olympia 2026: So könnte die Zukunft der Winterspiele aussehen

epa12767736 Michael Vogt, Andreas Haas, Amadou David Ndiaye, and Mario Aeberhard of Switzerland compete in the 4-Man of the Bobsleigh competitions at the Milano Cortina 2026 Winter Olympic Games, in C ...
Der Schweizer Viererbob von Michael Vogt gewann in Cortina Bronze – bleibt der Wettbewerb Teil der Winterspiele?Bild: keystone

Kein Eiskanal, dafür Handball? So könnte die Zukunft von Winter-Olympia aussehen

Das Lobbying um die Aufnahme von neuen Sportarten ins Programm der kommenden Winterspiele in den französischen Alpen 2030 ist voll im Gang. Auch darüber hinaus könnten die Olympischen Spiele stark verändert werden.
24.02.2026, 19:4124.02.2026, 19:41

Die Wettbewerbe im Skimountaineering auf dem untersten Teil der Piste Stelvio in Bormio boten letzte Woche viel Spannung und Spektakel. Ob diese Sportart olympisch bleibt, wird sich trotzdem erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Mit Gravel, Radquer, Cross oder Trailrunning könnten auch Sportarten, die nicht aus dem Eis- oder Schneesport stammen, in vier Jahren in Frankreich Einzug halten. Das wäre eine echte Revolution – und sorgt bei den Wintersportverbänden für Unmut.

«Zwischen 1000 und 2500 Metern über Meer haben wir den ganzen Schnee und alle Skigebiete. Aber zwischen null und 1000 Metern Höhe gibt es nichts, obwohl das ein fantastisches Spielfeld ist. Und da denken wir an Outdoor-Sportarten: Trail, Radquer, Gravel (Radrennen auf unbefestigten Wegen und Schotterpisten). Es wäre doch schade, diese Facette nicht zu zeigen», erklärte im Dezember Edgar Grospiron, OK-Präsident der nächsten Winterspiele in den französischen Alpen.

Fahrerinnen der Kategorie U21 waehrend der Radquer Schweizermeisterschaft 2021 am Schlosshuegel in Hittnau, am Sonntag, 10. Januar 2021. (KEYSTONE/Christian Merz)
Die Sportart Radquer kämpft schon länger um einen Platz bei den Olympischen Spielen.Bild: keystone

Entscheid im Juni 2026

Angesichts der Erderwärmung und der zunehmenden Schneeknappheit plädiert der ehemalige Olympiasieger für Winterspiele, welche «die Berge des Jahres 2050» widerspiegeln. Die Auswahl der vier neuen Sportarten, die das OK um Grospiron dem Internationalen Olympischen Komitee vorschlagen kann, hält er jedoch noch geheim.

Das IOC hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um «über die Möglichkeit nachzudenken, Sportarten, die traditionell im Sommer oder im Winter ausgetragen werden, zusammenzuführen». Etwas, das die Olympische Charta bislang nicht vorsieht. Im Juni wird das IOC den Entscheid über die zusätzlichen Sportarten und Disziplinen für 2030 bekannt geben.

Der Eiskanal steht auf der Kippe

Es wird aber nicht nur über neue Wettbewerbe diskutiert, sondern auch, welche Sportarten weichen müssen. Über ein Verschwinden der Nordischen Kombination gibt es schon länger Gerüchte. Wie der Investigativ-Journalist Duncan Mackay nun schreibt, stehen aber auch die Sportarten im Eiskanal auf der Kippe. Bob, Rodeln und Skeleton könnten demnach rausfliegen, weil sie in den Kategorien Kosten, Umwelt und Nachhaltigkeit schlecht abschneiden würden.

Der Neubau der Bahn in Cortina für die Olympischen Spiele 2026 kostete rund 118 Millionen Euro (107 Mio. Franken), dazu kämen jährliche Kosten von einer Million Euro, welche durch die Einnahmen nicht gedeckt würden. Viele Olympia-Bahnen werden kaum oder gar nicht mehr gebraucht. Im Hintergrund wird aber bereits daran gearbeitet, nachhaltigere und kostengünstigere Bahnen zu entwickeln, wie es vom deutschen Bob- und Schlittenverband gegenüber der Sportschau heisst.

Construction work takes place at the Cortina Sliding Center, venue for the bob, luge and skeleton disciplines at the Milan Cortina 2026 Winter Olympics, in Cortina D'Ampezzo, Italy, Tuesday, Marc ...
Der Bau der Eisbahn in Cortina kostete deutlich mehr als geplant.Bild: keystone

2030 und 2034 sind die Wettbewerbe im Eiskanal noch im Programm vorgesehen. Darüber hinaus ist die Zukunft der Kufensportarten aber noch unklar – für 2038 bewirbt sich die Schweiz, wo in St. Moritz bereits eine Eisbahn vorhanden wäre. IOC-Präsidentin Kirsty Coventry erklärte vor den Spielen in Mailand und Cortina: «Wir müssen ehrlich damit sein, was funktioniert und noch wichtiger, was nicht funktioniert.» Es stünden «schwierige Entscheidungen und Gespräche» bevor.

Hand- und Volleyball bald im Winter?

Eine weitere Überlegung der Olympia-Verantwortlichen sei es zudem, Handball und Volleyball nicht mehr bei den Sommerspielen, sondern in Zukunft im Winter auszutragen. Damit sollen auch die Sommerspiele, bei denen 2028 in Los Angeles rekordhohe 353 Medaillenentscheidungen in 36 Sportarten geplant sind, verschlankt werden.

Auf Seiten der potenziellen Neuzugänge herrscht auch ohne Hand- und Volleyball schon grosses Gedränge: Eisklettern, Synchroneiskunstlauf, 3x3-Hockey, Telemark, Freeride erhoffen sich die Aufnahme, aber auch Sportarten ohne unmittelbaren Bezug zu Schnee oder Eis wie eben Radquer, Cross und Gravel.

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Der Schweizer Benjamin Bosshard beim Eiskletter-Weltcup in Edmonton.Bild: www.imago-images.de

Alleine, dass diese Möglichkeit in Betracht gezogen wird, liess die olympischen Wintersportverbände aufhorchen. Sie erklärten im Herbst, dies würde «die Marke, das Erbe und die Identität» der Winterspiele verwässern.

Wie sieht die Zukunft der Winterspiele aus?

Der Tenor in Wintersportverbanden lautet dahingehend, dass «die Klimafrage absolut im Zeitgeist liegt», aber angebracht wäre trotzdem, «die Olympischen Spiele für bestimmte Wintersportarten zu öffnen, die seit 30 Jahren warten, und die Wintersportarten beim ökologischen Wandel zu begleiten, anstatt alternative Wege zu gehen».

Eine andere Meinung vertritt Jean Gracia: «Das Klima verändert sich – also wie sieht die Zukunft der Winterspiele aus? Heute sprechen sie einen grossen Teil der Welt nicht an.» Gracia ist Präsident des französischen Leichtathletikverbands, er setzt sich «für Trail und/oder Cross» bei den Spielen 2030 ein. Zugleich räumt er auch ein, dass «überall ein bisschen Lobbyarbeit betrieben wird und unsere Freunde aus den Bergen nicht besonders begeistert sind».

OK-Präsident Grospiron seinerseits hat für 2030 bereits die Möglichkeit eines für die Öffentlichkeit offenen Wettbewerbs nach Art eines Trail-Lauf ins Spiel gebracht – ähnlich dem «Marathon für alle» bei Paris 2024. (nih/sda/afp)

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quelle: keystone / wu hao
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37 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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K.A.T.E.R
24.02.2026 20:56registriert Februar 2025
ich würde Gravel, Radquer, Cross, Trailrunning und Eisklettern einfach auch noch bei Mountaineering integrieren zusammen mit Schneemann bauen, schuhe Binden und Winterpulli lisme.
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Barlsi
24.02.2026 19:49registriert Oktober 2021
Schlechter Scherz. Die Italiener hätten auch die Eisbahn von Turin 2006 restaurieren oder St. Moritz nutzen können. Selbes gilt für die Franzosen, wenn sie ihre bestehende Bahn La Plagne nicht nutzen wollen.
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SD1980
24.02.2026 20:30registriert August 2018
Uh, da wird Deutschland vehement protestieren, dass Bob und Rodeln olympisch bleibt, ansonsten siehts übel aus im Medaillenspiegel.
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